Eigentlich wollte Marco nur eine Saison in Österreich verbringen. Heute lebt der gebürtige Norddeutsche mit seiner Familie in Oberösterreich und führt seit drei Jahren das HOTEL Wallern. Dazwischen liegen zehn Jahre als Küchenchef in Gastein, mehrere spontane Entscheidungen und ein beruflicher Neustart, der sein Leben verändert hat. Dass er einmal ein Hotel leiten würde, war ursprünglich nicht geplant.
Sein Weg nach Österreich begann mit einem Anruf. Ein Bekannter aus seiner Zeit in Hamburg, der selbst aus der Gastronomie in Gastein stammte, fragte ihn, ob er nicht für eine Wintersaison nach Österreich kommen wolle. Marco hatte das Land bis dahin kaum gekannt. Er entschied sich trotzdem dafür.
Aus einer Saison wurden viele Jahre. Die Berge, der Winter und das Skifahren begeisterten ihn. Er blieb in Gastein und arbeitete dort schließlich zehn Jahre als Küchenchef.
Dann ergab sich erneut eine Gelegenheit, mit der er nicht gerechnet hatte.
Der Eigentümer des Hotels Wallern war Stammgast in seinem damaligen Betrieb. Als der bisherige Hoteldirektor in Pension ging, fragte er Marco, ob er sich vorstellen könne, die Geschäftsführung zu übernehmen.
Die Entscheidung fiel ihm nicht sofort leicht. Schließlich ging es um weit mehr als einen neuen Arbeitsplatz. Seine Frau und die beiden Kinder mussten ebenfalls mit nach Oberösterreich übersiedeln. Die Familie ließ ihr bisheriges Umfeld zurück und begann in Wallern einen neuen Lebensabschnitt.
Rückblickend war es für Marco die richtige Entscheidung. Kindergarten und Schule befinden sich in der Nähe, der Familienalltag lässt sich gut organisieren. Was zunächst ein berufliches Risiko war, entwickelte sich auch privat zu einem passenden Schritt.
Ein Hoteldirektor, der lieber selbst anpackt
Wer Marco kennenlernt, merkt schnell, dass er wenig mit dem klassischen Bild eines förmlichen Hoteldirektors gemeinsam hat. Er spricht offen, unkompliziert und mit einer guten Portion norddeutschem Humor.
Sein Vorgänger pflegte einen deutlich traditionelleren Umgang mit Gästen. Marco hat seinen eigenen Stil gefunden. Ihm liegt der persönliche Kontakt, allerdings ohne übertriebene Förmlichkeit.
Das passt zum Charakter des Hotel Wallern. Der Betrieb wurde 2011 eröffnet und im Laufe der Jahre durch einen Zubau erweitert. Heute verfügt das Hotel über 51 Zimmer, darunter zwei Suiten, sowie zwei Seminarräume.
Unter der Woche übernachten vor allem Geschäftsreisende, Seminarteilnehmer und Mitarbeiter von Unternehmen aus der Umgebung. An Wochenenden und in Ferienzeiten kommen auch private Gäste dazu, etwa Besucher der nahe gelegenen Therme.
Für viele Geschäftsreisende sind die ruhige Lage und die Parkmöglichkeiten wichtige Vorteile. Statt sich mit dem Verkehr und der Parkplatzsuche in einer größeren Stadt beschäftigen zu müssen, können sie ihren Aufenthalt unkompliziert gestalten.
Das Hotel Wallern ist als Frühstückshotel ausgerichtet. Dabei sind nicht nur Hotelgäste willkommen – auch externe Besucher können den Tag bei einem gemütlichen Frühstück beginnen oder am Nachmittag bei Kaffee und Kuchen eine entspannte Auszeit genießen. Doch auch am Abend müssen Gäste nicht auf eine warme Mahlzeit verzichten. Neben kleinen Speisen stehen immer wieder wechselnde Tagesgerichte auf dem Angebot.
Und genau hier kommt Marcos berufliche Vergangenheit ins Spiel.
Obwohl er heute für den gesamten Hotelbetrieb verantwortlich ist, steht er gelegentlich noch selbst am Herd. Seine Erfahrung als Küchenchef möchte er schließlich nicht vollständig hinter sich lassen.
Mehrmals im Jahr organisiert das Hotel kulinarische Thementage. Mal stehen Burger auf der Karte, mal Steaks oder Wildgerichte. Auch Sushi wurde bereits angeboten. Die Aktionen werden von Hotelgästen und Menschen aus der Umgebung angenommen.
Für Marco ist das eine willkommene Gelegenheit, seine ursprüngliche Leidenschaft weiterhin auszuleben. Denn auch wenn sich sein Aufgabenbereich verändert hat, ist die Küche ein Teil seiner beruflichen Identität geblieben.
Warum für ihn auch die Mitarbeiter zählen
Mit insgesamt 15 Beschäftigten ist das Hotel Wallern ein überschaubarer Betrieb. Marco setzt auf flache Hierarchien und einen persönlichen Umgang miteinander.
Aus eigener Erfahrung weiß er, wie anspruchsvoll die Arbeitszeiten in der Gastronomie sein können. Gerade für Menschen mit Familie ist es oft schwierig, Beruf und Privatleben miteinander zu vereinbaren.
Deshalb versucht er, bei der Dienstplanung auf die familiären Situationen seiner Mitarbeiter Rücksicht zu nehmen. Dass das nicht immer einfach ist, gehört zum Hotelalltag. Schließlich ist der Betrieb täglich geöffnet.
Auch seine Frau arbeitet im Hotel und unterstützt das Team im Frühstücksbereich. Beruf und Familie sind damit eng miteinander verbunden.
Ein weiterer Punkt ist ihm bei der Führung wichtig: Verantwortung abzugeben. Marco ist überzeugt, dass Mitarbeiter nur dann wachsen können, wenn sie eigene Entscheidungen treffen dürfen. Dass dabei gelegentlich Fehler passieren, nimmt er bewusst in Kauf.
Seit seiner Übernahme hat sich im Hotel einiges weiterentwickelt. Eine neue Hotelsoftware wurde eingeführt, auch die Website wird erneuert. Zudem stehen weitere Verbesserungen an. Der Fitnessraum soll modernisiert werden, und bei der Klimatisierung der Zimmer gibt es ebenfalls Pläne.
Im neueren Gebäudeteil sorgt bereits eine Deckenkühlung für angenehme Temperaturen. Für die älteren Zimmer werden zusätzliche Lösungen benötigt.
Wirtschaftlich sieht Marco weiterhin Entwicklungsmöglichkeiten. Unter der Woche ist das Hotel gut gebucht, an Wochenenden und während der Ferienzeiten gibt es noch Potenzial. Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass eine höhere Auslastung auch zusätzliche Anforderungen an die Personalplanung stellt.
Dass sich das Hotel in den vergangenen Jahren positiv entwickelt hat, freut ihn. Noch wichtiger scheint ihm aber, dass der Betrieb im Alltag funktioniert und sich Mitarbeiter wie Gäste wohlfühlen.
Sein eigener Lebensweg zeigt schließlich, dass man nicht jede Entwicklung lange im Voraus planen kann. Zweimal hat ein unerwarteter Anruf seine berufliche Richtung verändert. Erst führte ihn eine Wintersaison von Norddeutschland nach Österreich, Jahre später die Chance auf eine Hotelleitung nach Wallern.
Heute ist aus dem ehemaligen Küchenchef ein Hoteldirektor geworden, der seine norddeutsche Art behalten hat und in Oberösterreich mit seiner Familie ein neues Zuhause gefunden hat.
Foto:privat







