Als Karin Lederhilger die Jakobus Apotheke übernahm, war eine Unternehmerkarriere ursprünglich gar nicht ihr großer Plan. Ihre damalige Chefin ging in Pension, jemand musste den Betrieb weiterführen – und Lederhilger entschied sich, diesen Schritt zu wagen. Der Zeitpunkt hätte allerdings kaum anspruchsvoller sein können: Anfang 2020 startete sie als Unternehmerin, nur wenige Monate später veränderte Corona den Alltag in Apotheken grundlegend.
Heute blickt sie auf eine Entwicklung zurück, die weit über diesen schwierigen Start hinausgeht. Ein entscheidender Schritt war die Übersiedlung in größere Räumlichkeiten. Am früheren Standort wurde die Enge zunehmend zum Problem. Schon wenige Kundinnen und Kunden gleichzeitig ließen den Verkaufsraum voll wirken. Während der Pandemie verschärfte sich die Situation zusätzlich. Auch für das Team waren die räumlichen Bedingungen auf Dauer nicht ideal.
Als sich die Möglichkeit für einen neuen Standort ergab, entschied sich Lederhilger für den nächsten großen Schritt. Seit November 2025 befindet sich die Jakobus Apotheke in einem frisch sanierten Gebäude, in dem sich inzwischen mehrere Gesundheitsberufe angesiedelt haben. Neben der Apotheke sind dort unter anderem eine hausärztliche Ordination, eine Internistin, Physiotherapie und weitere Therapeutinnen und Therapeuten zu finden. So ist aus mehreren eigenständigen Betrieben ein kleines, aber feines Vitalcenter entstanden.
Für die Menschen, die dorthin kommen, bedeutet das vor allem kurze Wege. Ein Arztbesuch lässt sich mit dem Gang in die Apotheke verbinden, ohne erneut einen Parkplatz suchen oder einen weiteren Standort anfahren zu müssen. Gerade diese praktische Nähe ist für Lederhilger eine der Stärken des neuen Umfelds.
Beratung in einer Zeit voller Gesundheitsinformationen
Der räumliche Neustart passt zu einer Haltung, die Lederhilger auch in der täglichen Arbeit wichtig ist: Menschen sollen die Apotheke mit dem Gefühl verlassen, ernst genommen worden zu sein und Antworten auf ihre Fragen bekommen zu haben.
Das gewinnt aus ihrer Sicht an Bedeutung, weil Gesundheitsinformationen heute praktisch überall verfügbar sind. Gerade bei Nahrungsergänzungsmitteln begegnen Kundinnen und Kunden online unzähligen Empfehlungen und Produkten. Doch eine Meinung im Internet und fachliche Expertise sind zwei unterschiedliche Dinge. Deshalb setzt die Jakobus Apotheke auf persönliche Beratung und darauf, neue Themen fachlich aufzugreifen.
Wenn sich die Bedürfnisse verändern, reagiert das Team darauf. Ein aktuelles Beispiel ist das verstärkte Interesse an Eiweiß- und Proteinprodukten. Da das Thema zunehmend nachgefragt wird, hat das Team sein Wissen in diesem Bereich aufgefrischt und das Sortiment entsprechend weiterentwickelt und erweitert. Auch eine eigene kleine Serie mit Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetik gehört zum Angebot und wird nach den Bedürfnissen der Kundschaft ergänzt.
Dass Apotheke heute mehr sein kann als Beratung während klassischer Öffnungszeiten, zeigt der neue 24-Stunden-Automat. Rund 100 Produkte stehen dort mittlerweile zur Verfügung, darunter etwa Sonnencreme oder Nasenspray. Über ein Touch-Terminal können Produktinformationen abgerufen werden. Zusätzlich gibt es eine Abholmöglichkeit für individuell bestellte Waren: Kundinnen und Kunden erhalten einen persönlichen Code und können ihre Bestellung damit unabhängig von den Öffnungszeiten abholen.
Die Einführung brachte zunächst technische Herausforderungen mit sich. Inzwischen läuft das System stabil und zuverlässig – und erweitert die Versorgung um eine Möglichkeit, die gerade außerhalb der üblichen Zeiten sehr praktisch sein kann.
Auch hinter den Kulissen spielt Geschwindigkeit eine Rolle. Die Apotheke wird fünfmal täglich beliefert. Nicht lagernde Produkte können dadurch meist innerhalb von zwei bis drei Stunden verfügbar sein. Insgesamt führt der Betrieb ständig rund 5.000 unterschiedliche Produkte.
Ein weiteres Werkzeug im Alltag ist die Stammkundenkarte. Mit entsprechender Zustimmung können relevante Daten gespeichert werden. Das erleichtert Abläufe beispielsweise dann, wenn regelmäßig benötigte Produkte und Medikamente vorbereitet werden sollen oder die gewohnte ärztliche Betreuung, z.B. durch Urlaub, vorübergehend nicht verfügbar ist.
Ein großer Schritt mit viel Arbeit dahinter
Auf die Übersiedlung ist Lederhilger heute besonders stolz. Nicht, weil damit alles neu begonnen hätte – die bestehende Kundschaft zog schließlich mit –, sondern weil die Entscheidung Mut und eine erhebliche Investition erforderte. Hinter dem neuen Standort stand viel Organisation und zeitweise Arbeitswochen mit 60 bis 70 Stunden.
Parallel dazu beschäftigte sie über längere Zeit die Personalsuche. Mehr als zwei Jahre suchte Lederhilger nach Fachkräften. Mittlerweile ist das Team gut aufgestellt. Im Arbeitsalltag versucht sie, auf unterschiedliche private Situationen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzugehen. Entscheidend sind für sie außerdem Genauigkeit, Zusammenarbeit und eine Atmosphäre, in der trotz der Verantwortung auch Platz für Spaß bleibt.
Seit Jänner hat die Jakobus Apotheke zudem mittags durchgehend geöffnet. Für den Betrieb bedeutet das zehn zusätzliche Öffnungsstunden pro Woche und entsprechend höhere personelle Aufwendungen. Lederhilger entschied sich dennoch dafür, weil sich der Alltag vieler Kundinnen und Kunden verändert hat und eine klassische Mittagspause für manche schwer mit dem eigenen Tagesablauf vereinbar ist.
Damit schließt sich ein Kreis, der mit ihrer eher ungeplanten Entscheidung für die Selbstständigkeit begann. Ausgerechnet in einer Phase großer Unsicherheit übernahm Lederhilger Verantwortung für eine Apotheke. Einige Jahre später hat sie mit ihrem Team einen größeren Standort bezogen und neue Wege geschaffen, Beratung und Versorgung flexibler zu gestalten.
Dabei erhebt sie nicht den Anspruch, dass immer alles perfekt läuft. Wichtiger ist ihr, zuzuhören, fachlich am Ball zu bleiben und Veränderungen dann umzusetzen, wenn sie für die Menschen tatsächlich einen Unterschied machen. Genau darin zeigt sich, was aus dem anfänglichen „Irgendwer muss es machen“ geworden ist.
Foto:privat





