Nicht einmal ein Abschied
Mein Sohn ist tot – mit gerade 49 Jahren. Ich bin jetzt 80 Jahre und betrauere meinen einzigen Sohn. Er war der Erste, der sagte: „Mutter du musst dich impfen lassen, du bist in der Risikogruppe“. Und jetzt ist er tot – gestorben an Corona. Es hatte ganz harmlos begonnen, wie eine leichte Erkältung, dann kamen die Gliederschmerzen und der Geschmacksverlust, und immer noch machten wir uns keine Sorgen. Dann kamen die Atemnot und das Fieber. Das war der Zeitpunkt, wo ein Krankenhausaufenthalt unumgänglich war. Plötzlich die Angst um seine Frau und die beiden kleinen Kinder. Niemand dachte, dass er einen schweren Verlauf hat, vor allem nicht in diesem Alter. Keiner durfte ihn besuchen. Erstens war niemand geimpft und das Risiko war einfach zu groß. Völlig hilflos auf der Intensivstation, das ständige Auf und Ab und auf einmal ein Organversagen. Ständige Vorwürfe plagen mich, hätte ich ihn doch damals auch zur Impfung überzeugt. Aber er lachte nur: „Lass mal, ich bin doch noch jung und kein Risikopatient“. Und jetzt hat er seine Frau und die beiden Kinder alleine zurückgelassen. Aber das Schlimmste für mich ist, mir war es nicht einmal vergönnt Abschied zu nehmen, von meinem einzigen Kind. Er ist alleine gestorben, umgeben vom Pflegepersonal und ich durfte ihn nicht mehr in den Armen halten und ein letztes Mal sagen: „Ich liebe dich mein Kind!“. Und das Allerschlimmste: „Es wäre durch eine Impfung vermeidbar gewesen“.
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