Manchmal beginnt eine Unternehmensgeschichte auf gerade einmal 16 Quadratmetern. Mit ein paar Kerzen, Rosenkränzen, Postkarten und einer klaren Vorstellung davon, was ins Geschäft kommen darf. So begann die Geschichte von Steinbichler Mineralien in Linz. Aus dem kleinen Souvenirladen entwickelte sich über mehr als drei Jahrzehnte ein Fachgeschäft für Schmuck aus echten Natursteinen und Halbedelsteinen, dekorative Steinobjekte und Räucherwerk. Dahinter steht Geschäftsführerin Erika Beck, die ihren eigenen Weg gegangen ist und für die ein Geschäft immer auch ein Ort für Menschen war.

Der Weg in die Selbstständigkeit war ursprünglich nicht geplant. Gesundheitliche Einschränkungen und die Verantwortung für kleine Kinder führten dazu, dass Erika Beck zunächst eine Trafik an der Linzer Donaulände übernahm. Einige Jahre später ergab sich die Gelegenheit, ein winziges Geschäftslokal in der Innenstadt zu beziehen.

Die Idee war zunächst einfach: In Linz fehlte aus ihrer Sicht ein Souvenirladen. Also kamen Kerzen, religiöse Andenken, Postkarten und selbst zusammengestellte Gewürzsträußchen ins Sortiment. Von Anfang an gab es einen Grundsatz: Die angebotenen Waren sollten möglichst aus natürlichen Materialien bestehen. Plastikprodukte wollte sie nicht verkaufen.

Was als überschaubares Geschäft begann, entwickelte bald eine eigene Dynamik. Zunächst kamen ätherische Öle und Duftlampen dazu. Dann entdeckte Erika Beck auf einer Messe eine kleine Schachtel mit zwölf verschiedenen Sternzeichensteinen. Sie suchte damals nach Geschenkideen für Männer und nahm die Trommelsteine kurzerhand ins Sortiment auf.

Damit begann eine Entwicklung, die das Geschäft grundlegend verändern sollte.

Als der Edelsteinschmuck immer mehr Platz brauchte

Die ersten Trommelsteine fanden rasch Abnehmer. Bald fragten Kundinnen nach Anhängern, später nach Ketten. Weil die Verkaufsfläche kaum größer als ein kleines Zimmer war, musste jeder freie Zentimeter genutzt werden.

Schmuck hing an Schnüren über dem Verkaufspult, Ketten fanden ihren Platz hinter der Eingangstür. War die Tür geöffnet, waren Teile des Sortiments kaum erreichbar. Das Lager bestand aus Schachteln hinter dem Pult. Manchmal stand Erika Beck beim Bedienen sogar auf den Warenkartons, weil schlicht kein anderer Platz mehr vorhanden war.

Irgendwann war klar, dass es so nicht weitergehen konnte.

Auf einem ihrer Wege durch die Innenstadt entdeckte sie zwei leer stehende Geschäftslokale. Die Räume waren in schlechtem Zustand und mussten erst hergerichtet werden. Trotzdem erkannte sie darin eine Möglichkeit. Nach Renovierungsarbeiten zog Steinbichler Mineralien auf eine deutlich größere Verkaufsfläche mit rund 70 Quadratmetern.

Mit dem zusätzlichen Platz wuchs auch das Angebot. Naturkosmetik wurde ein wichtiges Thema, nachdem sich Erika Beck durch ihre Beschäftigung mit ätherischen Ölen zunehmend für Inhaltsstoffe und natürliche Pflege interessierte. Später kamen weitere Räume hinzu.

Über die Jahre verlagerte sich der Schwerpunkt immer stärker auf Schmuck aus echten Natursteinen und Halbedelsteinen. Andere Warengruppen verschwanden nach und nach, um Platz für die wachsende Auswahl zu schaffen.

Heute umfasst das Sortiment mehrere Hundert Steinarten und Varianten. Den Schwerpunkt bilden Anhänger, Halsketten, Armbänder und Ringe aus echten, ungefärbten Natursteinen und Halbedelsteinen, teilweise in Kombination mit 925er Silber. Ergänzt wird das Angebot durch Trommelsteine, Steinfiguren, Herzen und dekorative Objekte zum Aufstellen. Gerade Edelsteinarmbänder haben in den vergangenen Jahren neue Kundengruppen angesprochen. Viele tragen sie mittlerweile ganz unabhängig von spirituellen Vorstellungen als Schmuckstück.

Ein Geschäft, in dem auch zugehört wird

Wer mit Erika Beck über Steinbichler Mineralien spricht, merkt schnell, dass es ihr um mehr geht als um das Verkaufen von Edelsteinschmuck und dekorativen Steinobjekten.

In über drei Jahrzehnten hat sie unzählige Menschen kennengelernt. Manche kamen, weil sie ein Geschenk suchten. Andere interessierten sich für Mineralien oder Schmuck. Wieder andere betraten das Geschäft in schwierigen Lebenssituationen und wollten einfach mit jemandem reden.

Für solche Gespräche nahm sich Erika Beck immer wieder Zeit. Sie erinnert sich an Kundinnen und Kunden, die nach vielen Jahren zurückkamen und ihr erzählten, wie wichtig ihnen ein damaliges Gespräch gewesen war.

Diese persönliche Seite prägt das Geschäft bis heute. Entscheidend ist für sie, Menschen zuzuhören und ihre unterschiedlichen Vorstellungen ernst zu nehmen. Gerade beim Thema Edelsteinschmuck und Räucherkultur begegnen ihr Menschen mit ganz verschiedenen Überzeugungen.

Dabei ist ihr bewusst, wie viel Vertrauen ihr manche Kundinnen und Kunden entgegenbringen. Umso wichtiger ist ihr ein verantwortungsvoller Umgang damit. Niemand soll das Gefühl bekommen, ein teures Produkt unbedingt kaufen zu müssen. Auch kleine Trommelsteine für wenige Euro haben deshalb ihren festen Platz im Sortiment.

Neben Edelsteinschmuck und dekorativen Steinobjekten gehören handgehämmerte Klangschalen aus Nepal, ätherische Öle und umfangreiches Räucherzubehör zum Angebot. Beim Räucherwerk ging Steinbichler Mineralien sogar einen eigenen Weg: Weil Erika Beck mit vorhandenen Verpackungen und Preisen unzufrieden war, begann der Betrieb, Räucherprodukte selbst abzufüllen und unter einer eigenen Marke anzubieten.

Auch Schmuckstücke werden teilweise im Geschäft selbst angefertigt. Wenn gerade keine Kundschaft zu bedienen ist, entstehen beispielsweise Ketten und Armbänder.

Der Betrieb ist über viele Jahre familiär gewachsen. Auch die Kinder von Erika Beck waren zeitweise eingebunden und absolvierten dort ihre Ausbildung.

Leicht ist dieser Alltag derzeit allerdings nicht. Die Baustellensituation in der Innenstadt und die fehlende Laufkundschaft stellen das Geschäft vor wirtschaftliche Herausforderungen. Für Erika Beck geht es momentan vor allem darum, den Betrieb und die Arbeitsplätze zu erhalten.

Mit inzwischen über 70 Jahren steht sie weiterhin selbst im Geschäft. Nach mehr als drei Jahrzehnten kennt sie die Veränderungen im Handel ebenso wie die unterschiedlichen Menschen, die durch ihre Tür kommen.

Aus den ersten zwölf Sternzeichensteinen ist ein umfangreiches Fachsortiment für Edelsteinschmuck und dekorative Steinobjekte geworden. Geblieben ist eine Haltung, die schon auf den ursprünglichen 16 Quadratmetern wichtig war: natürliche Produkte anzubieten, erschwingliche Möglichkeiten zu schaffen und für die Menschen hinter jedem Einkauf ein offenes Ohr zu haben.

Foto:privat

 

 

 

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