Ausstellung im Kulturama Schloss Tollet
Der protestantische Theologe, Mathematiker und Astronom hat nicht nur der Wissenschaft zu bleibenden Erkenntnissen verholfen, die bis heute Gültigkeit haben, er hat auch in Oberösterreich gelebt und gewirkt und sich in den Bezirken Grieskirchen und Eferding aufgehalten. Mit zahlreichen Veranstaltungen wird daher heuer des Genies gedacht, gilt es doch, seinen 450. Geburtstag zu feiern.
Das KULTURAMA Schloss Tollet zeigt von 6. Mai bis 5. November 2023 die sehenswerte Ausstellung mit dem Titel „Johannes Kepler und seine Zeit“. Mit ausgewählten Exponaten wird das Leben und Wirken Keplers in seiner Zeit dargestellt. Er war auch in Grieskirchen zu Gast. Als Vertreter der Linzer Landesstände war er bei der feierlichen Stadterhebung am 9. Februar 1613 anwesend. Er hat Berichten zufolge im Wirtshaus des Bürgermeisters und Gastwirts Christoph Manglburger (jetzt Gasthof Zweimüller) gespeist und übernachtet.
Die größte Sonnenuhr der Welt, 240 m² groß und an der Südwand des Schulzentrums Grieskirchen angebracht, soll Grieskirchen für immer an das Genie Kepler erinnern, der unter anderem mit seinen Forschungen und Berechnungen, die in den drei Kepler‘schen Gesetzen festgelegt sind, das Heliozentrische System untermauerte. Nach 20 Jahren intensiver Forschung veröffentlichte Kepler seine Ergebnisse in dem Buch „Astronomia Nova“ (Neue Astronomie). Er beobachtete 1604 eine Supernova und veröffentlichte seine Ergebnisse 1606 in einem Buch. Das Auftauchen eines neuen Sterns stand im Widerspruch zur vorherrschenden Meinung, das Fixsterngewölbe sei auf ewig unveränderlich.
Bedeutendes leistete Kepler auch auf dem Gebiet der Optik. Er legte mit seinen Forschungen die Grundlagen für die Optik als Wissenschaft. Er erklärte die Vorgänge des Sehens im menschlichen Auge, der Kurzsichtigkeit und die Wirkung einer Lupe oder Brille. Fast zwangsläufig ergab sich für ihn die Erfindung des „Kepler-Fernrohres“. Trotz der bahnbrechenden Ergebnisse im Bereich Astronomie und Technik gelang es Kepler nicht, als Professor in seiner Heimatstadt Tübingen Fuß zu fassen. In Linz und anderen Städten beschäftigte sich Kepler mit der Berechnung des Rauminhaltes von Weinfässern („Kepler‘sche Fassregel“) und der Eichung von Hohlmaßen und anderen Geräten.
Gespräche mit einem Bergwerksbesitzer brachten ihn auf die Idee, eine Zahnradpumpe zu bauen, mit der Wasser aus den Bergwerksstollen herausgehoben werden konnte. Sie war ventillos und beinahe wartungsfrei. Das Grundprinzip wird auch heute noch in Ölpumpen von Autos angewendet.
Gegen Ende seines Lebens veröffentlichte Kepler 1627 in Ulm die „Tabulae Rudolfinae“ (Rudolfinische Tafeln). Darin beschrieb er die Positionen der Planeten mit bis dahin unerreichter Genauigkeit. Damit wurde der Glaube an das Heliozentrische System (Planeten kreisen um die Sonne, die im Zentrum steht) weiter verfestigt. Isaac Newton nutzte später diese Erkenntnisse als Grundlage zur Herleitung der Gravitationstheorie.
Kepler beschäftigte sich ein Leben lang mit Astrologie, die damals von der Astronomie noch nicht so streng getrennt gesehen wurde. Er war überzeugt, dass bestimmte Konstellationen der Himmelskörper den Menschen beeinflussen können. Er versuchte, die Zusammenhänge zu ergründen und die Astrologie auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen. Mehr als 800 von Kepler gezeichnete Horoskope und Geburtskarten sind erhalten. Für das Jahr 1595 erstellte er eine Prognose, die schwere Aufstände im Land, den Türkeneinfall und bittere Kälte voraussagte. Alle Voraussagen sind eingetreten.
Prominente wie Albrecht von Wallenstein, der böhmische Feldherr im 30jährigen Krieg, ließ sich von Kepler zweimal ein Horoskop erstellen. Kepler sollte ihm sagen, was ihm jedes Jahr an Glück und Unglück widerfahren würde, wie lange der Krieg noch dauern und ob er in der Ferne oder zuhause sterben würde. Kepler weigerte sich, Genaues festzulegen, sprach aber Warnungen aus. Wallenstein wurde 1634 von kaisertreuen Offizieren ermordet.
Keplers Leben war von beruflichen Schwierigkeiten, wirtschaftlicher Not, Krankheiten und Schicksalsschlägen geprägt. Als Protestant hatte er immer wieder gegen Anfeindungen und berufliche Probleme anzukämpfen. Immer wieder musste er den Wohnort wechseln. Seine erste Frau Barbara starb 1611, die beiden Kinder ebenso. Im Mai 1612 übersiedelte er von Prag nach Linz, wo er als Landesmathematiker, Lehrer und Landvermesser arbeitete. Die Suche nach einer neuen Lebenspartnerin war erfolgreich. Elf Jungfrauen und Witwen standen zur Wahl. Am 30. Oktober 1613 heiratete Kepler die Eferdinger Bürgerstochter Susanne Reuttinger, die unter der Obhut der Starhemberger im Eferdinger Schloss aufgewachsen war. Der evangelische Stadtpfarrer von Eferding traute das Paar. Im Gasthaus „Zum Goldenen Löwen“ am Eferdinger Stadtplatz wurde auf Kosten des Baron Starhemberg dann ausgiebig gefeiert. Das Paar hatte sieben Kinder, von denen die drei Ältesten starben. Keplers Mutter verbrachte 6 Jahre wegen angeblicher Hexerei in einem Kerker in Stuttgart. Kepler konnte sie schließlich frei bekommen, sie starb aber 6 Monate nach der Entlassung.


Foto & Text: OSR Bernhard Kirschner MA






