Als der Großvater 1950 seine Baufirma gründete, kam er gerade aus dem Zweiten Weltkrieg zurück. Die Vorbereitung auf die Baumeisterprüfung hatte er noch in Gefangenschaft begonnen. Nach seiner Rückkehr legte er die Prüfung ab, heiratete und machte sich in Traun selbstständig. Heute, rund 76 Jahre später, führen die Brüder Christian und Wilhelm die Gebrüder Lang Bau in dritter Generation. Aus dem damaligen Betrieb ist ein Bauunternehmen mit drei Standorten und rund 200 Mitarbeitern geworden.
Dass die beiden Brüder einmal Unternehmer werden würden, war dabei weniger eine bewusste Karriereentscheidung als Teil einer gewachsenen Familiengeschichte. Vor knapp 34 Jahren stieg der jüngere der beiden in das Unternehmen ein. Damals stellte sich die Frage, ob er diesen Weg einschlagen würde, noch anders als heute. Der Familienbetrieb und seine Weiterführung gehörten gewissermaßen zur eigenen Geschichte.
Schon die zweite Generation hatte das Unternehmen weiterentwickelt. Zehn Jahre nach der Gründung kaufte der Großvater 1960 in St. Martin im Mühlkreis die kleine Baufirma Weichselbaum. Warum genau, lässt sich heute nicht mehr beantworten. Sein Sohn, der spätere Vater der heutigen Geschäftsführer, übernahm dort bald Verantwortung, während dessen Bruder am Standort Traun tätig wurde.
1976 ging der Betrieb an die zweite Generation über. Jahrzehnte später wiederholte sich die Geschichte auf eine gewisse Weise: Erneut waren es zwei Brüder, die übernahmen. 2008 beziehungsweise 2012 traten Christian und sein Bruder Wilhelm die Nachfolge von Vater und Onkel an und führen Gebrüder Lang seither gemeinsam.
Eine Besonderheit hat sich dabei gehalten. Was nach außen zeitweise wie zwei getrennte Firmen wirkte, war stets ein Unternehmen mit mehreren Standorten. Heute ist Gebrüder Lang in St. Martin, Traun und seit 2007 auch in Niederösterreich vertreten.
Wenn aus Plänen Häuser werden
Den größten Geschäftsbereich bildet der Wohnungsneubau für ober- und niederösterreichische Baugenossenschaften. In rund 95 Prozent dieser Projekte tritt Gebrüder Lang als Generalunternehmer auf und wickelt die Bauvorhaben schlüsselfertig ab. Dazu kommen Privatbau, Wohnungssanierungen und eigene Bauträgerprojekte.
Wie groß diese Arbeit in der Praxis ist, lässt sich mit Umsatzzahlen nur schwer vermitteln. Anschaulicher wird es mit dem Material, das Jahr für Jahr auf den Baustellen verarbeitet wird. Rund 50.000 Kubikmeter Beton sind es jährlich. Rechnerisch ließe sich damit ein Fußballfeld etwa eineinhalb Meter hoch mit Beton füllen – und das fünfmal. Dazu kommen rund 3.500 Tonnen Stahl, was ungefähr dem Gewicht von 130 Eisenbahnwaggons entspricht, sowie etwa eine halbe Million Ziegel.
Pro Jahr entstehen für Auftraggeber knapp 500 Wohnungen. Im Privatbau werden zusätzlich rund 300 bis 350 Aufträge abgewickelt. Die Bandbreite reicht dort von einer kleinen Stützwand über Zu- und Umbauten bis zum Einfamilienhaus.
Für die Geschäftsführer liegt genau darin ein wesentlicher Reiz ihrer Branche. Am Bau wird jeden Tag sichtbar, was die eigene Arbeit bewirkt. Ein Gebäude wächst von Woche zu Woche, bis am Ende Wohnungen oder Häuser übergeben werden und Menschen einziehen können. Dieses Entstehen mitzuerleben, verbindet für ihn die unterschiedlichen Tätigkeiten im Unternehmen – vom Büro bis zur Baustelle.
Deshalb versuchen die Geschäftsführer und Prokuristen auch regelmäßig auf den Baustellen präsent zu sein. Der direkte Austausch mit Polieren, Maurern, Schalungsbauern und anderen Mitarbeitern gehört für sie zum Familienunternehmen dazu.
Wachstum ist nicht das einzige Ziel
Die Hierarchien bei Gebrüder Lang sind bewusst überschaubar. Neben den beiden Geschäftsführern gibt es drei Prokuristen. Externe Beteiligte oder stille Teilhaber gibt es nicht. Rund 34 Mitarbeiter arbeiten in den drei Büros, insgesamt beschäftigt das Unternehmen etwa 200 Menschen.
Viele davon bleiben lange. Die geringe Fluktuation sieht die Geschäftsführung als wichtiges Zeichen dafür, dass die Zusammenarbeit funktioniert. Gleichzeitig verändert sich die Arbeitswelt. Gerade junge Mitarbeiter haben heute mehr Möglichkeiten und andere Vorstellungen von Beruf und Freizeit. Darauf müsse auch ein traditionsreicher Betrieb reagieren.
Ein Weg innerhalb des Unternehmens kann trotzdem weit führen. Bei Gebrüder Lang gibt es Beispiele für Entwicklungen vom Lehrling auf der Baustelle bis zum Abteilungsleiter. Aktuell werden zwei Lehrlinge ausgebildet, künftig sollen es wieder mehr werden. Nachwuchs für das Handwerk zu finden, ist allerdings schwierig. Dabei sieht das Unternehmen gerade am Bau einen Vorteil, der sich kaum am Schreibtisch erklären lässt: Am Abend ist sichtbar, was man gemeinsam geschaffen hat.
Auch deshalb setzt Gebrüder Lang für die kommenden Jahre nicht auf Wachstum um jeden Preis. Mit der Erweiterung nach Niederösterreich 2007 wuchs die Belegschaft deutlich. Die heutige Größenordnung soll nun vor allem gesund und wirtschaftlich erfolgreich weitergeführt werden.
Digitalisierung, neue Systeme und veränderte Arbeitsweisen gehören dabei längst zum Alltag. Vieles, was vor einigen Jahrzehnten noch auf Papier erledigt wurde, läuft heute elektronisch. Die grundsätzliche Ausrichtung bleibt dennoch erstaunlich konstant: spezialisiert arbeiten, Entscheidungen auf kurzen Wegen treffen und den Betrieb aus eigener Kraft entwickeln.
Nach drei Generationen ist Gebrüder Lang damit ein deutlich größeres Unternehmen als bei der Gründung 1950. Die Familiengeschichte dahinter ist jedoch weiterhin spürbar – bis hin zur Tatsache, dass heute wieder zwei Brüder gemeinsam die Verantwortung tragen.
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