Ein Salon, ein Termin und eine Friseurin, die sich ganz auf den Menschen im Sessel konzentriert: In der Lotos Haar Oase in Linz gehört diese Ruhe zum Konzept. Während viele Betriebe auf mehr Termine, digitale Buchungssysteme und möglichst hohe Auslastung setzen, verfolgt Inhaberin Ute Hummel einen anderen Weg. Sie arbeitet alleine, nimmt sich Zeit und möchte, dass ihre Kundinnen und Kunden den Alltag für eine Weile draußen lassen können.

Hinter dem Salon steht eine persönliche Geschichte, die in Vietnam beginnt. Dort wuchs Ute Hummel mit dem Friseurhandwerk auf und arbeitete bereits als Kind im elterlichen Betrieb mit. Nach ihrem Umzug nach Österreich musste sie beruflich allerdings noch einmal von vorne beginnen. Ihre bisherige Ausbildung wurde nicht anerkannt. Sie absolvierte deshalb hier die dreijährige Ausbildung, sammelte Erfahrung in mehreren Linzer Friseursalons und legte schließlich die erforderliche Befähigungsprüfung ab.

Im Jänner 2017 folgte der Schritt in die Selbstständigkeit. Gemeinsam mit ihrem Mann suchte sie nach einem geeigneten Geschäftslokal und fand schließlich den heutigen Standort in Linz. Von Beginn an sollte dort kein klassischer Salon entstehen. Der Name Lotos Haar Oase beschreibt vielmehr die Idee dahinter: ein Ort mit asiatischem Ambiente, ruhiger Musik und einer Atmosphäre, in der der Friseurbesuch auch eine kleine Auszeit sein kann.

Bewusst bildet der Salon einen Gegenpol zum hektischen Arbeitsalltag und zur ständigen Reizüberflutung. Die entspannende Atmosphäre mit spirituellen und asiatischen Akzenten soll Raum zum Innehalten, Loslassen und Durchatmen schaffen. Der Friseurbesuch wird so zu einer Art Kurzurlaub vom Alltag, bei dem man sich Zeit für sich selbst nimmt und verwöhnen lassen kann.

Erfahrung statt ständig neuer Trends

Nach rund 30 Jahren im Beruf verlässt sich Ute Hummel stark auf ihre Erfahrung. Neue Techniken verfolgt sie durchaus, probiert aus und informiert sich über aktuelle Entwicklungen. Doch nicht jeder Trend findet automatisch den Weg in ihren Salon. Entscheidend ist für sie, ob eine Behandlung zum Haar und zum jeweiligen Menschen passt.

Dabei beginnt ihre Arbeit mit genauer Beobachtung und Beratung. Haarstruktur, Kopfhaut, Gesichtsform, Haut- und Augenfarbe sowie die natürliche Ausstrahlung spielen für sie zusammen. Ein Farbwunsch wird deshalb nicht isoliert betrachtet. Ist eine gewünschte Veränderung aus ihrer Sicht zu belastend für das Haar, rät sie auch davon ab.

Gesundes Haar und eine gesunde Kopfhaut haben Vorrang vor möglichst vielen chemischen Behandlungen. Gerade empfindliches Haar könne durch häufige Farbwechsel und unterschiedliche Verfahren stark beansprucht werden. Ute Hummel setzt deshalb lieber auf behutsame Veränderungen, passende Vor- und Nachbehandlungen und Lösungen, die auch Wochen nach dem Termin noch funktionieren.

Zum Angebot gehören die klassischen Friseurleistungen für Damen und Herren – vom Schneiden und Färben über Strähnen und Styling bis zur Dauerwelle. Gearbeitet wird mit Produkten verschiedener etablierter Marken. Auch hier bleibt die Haltung zurückhaltend: Produkte werden empfohlen, wenn sie aus fachlicher Sicht sinnvoll sind. Einen Verkaufsdruck soll es im Salon nicht geben.

Diese Arbeitsweise zieht eine gemischte Kundschaft an. Frauen und Männer kommen ungefähr zu gleichen Teilen, viele davon seit Jahren. Hinzu kommen neue Gäste, die den Salon über die Website oder Google finden. Durch die Nähe zum Linzer Hauptbahnhof sowie zu mehreren Behörden und Arbeitsplätzen kommen auch Menschen nach Dienstschluss vorbei.

Der Standort verbindet dabei zwei Vorteile: Die Lotos Haar Oase liegt in einer ruhigen Wohngegend mit viel Grün und ist dennoch nur wenige Schritte vom Linzer Hauptbahnhof entfernt. Da sich derzeit im Bahnhofsgebäude selbst kein Friseursalon befindet, gehört sie zu den nächstgelegenen Möglichkeiten für einen Friseurbesuch in unmittelbarer Bahnhofsnähe.

Ein Termin gehört einem Menschen

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Organisation. Ute Hummel arbeitet bewusst ohne Mitarbeiter und ausschließlich nach Terminvereinbarung. Dadurch ist meist nur eine Kundin oder ein Kunde im Salon. Niemand wartet bereits ungeduldig auf dem nächsten Sessel, während die vorherige Behandlung noch läuft. Gespräche bleiben privat, und für die Behandlung steht die notwendige Zeit zur Verfügung.

Gerade diese Gespräche gehören für Ute Hummel zum Beruf. Manche erzählen von ihrem Alltag, andere möchten einfach abschalten. Sie hört zu, ohne daraus eine inszenierte Dienstleistung zu machen. Eine Kopfmassage beim Waschen, asiatische Tees, Kaffee oder im Sommer auch einmal ein alkoholfreies Getränk ergänzen die entspannte Atmosphäre.

Auch bei den Öffnungszeiten bleibt der Betrieb flexibel. Termine sind von Montag bis Samstag möglich, unter der Woche regulär bis 19 Uhr und am Samstag nach Terminvereinbarung bis 14 Uhr. Nach Absprache beginnt Ute Hummel für besondere Anlässe auch früher oder bleibt länger. Entscheidend ist weniger ein starres Zeitfenster als eine Vereinbarung, die für beide Seiten funktioniert.

Was auffällt: Wachstum um jeden Preis spielt in den Plänen der Lotos Haar Oase keine Rolle. Schon bei der Gründung war das Ziel überschaubar. Der Salon sollte seine Kosten tragen, ein angenehmer Arbeitsplatz sein und Menschen einen Ort bieten, an dem sie sich wohlfühlen. Dass sich der Betrieb besser entwickelte als ursprünglich erwartet, änderte an dieser Haltung wenig.

Auch heute gibt es Tage mit wenigen Terminen und andere mit deutlich mehr Betrieb. Ute Hummel sieht darin keinen Mangel, der unbedingt optimiert werden müsste. Zu viele Termine hintereinander würden jene Konzentration und Energie kosten, die sie für ihre Arbeit braucht. Online-Terminbuchungen, Bonusprogramme oder eine dauernde Social-Media-Bespielung sind deshalb bewusst kein Schwerpunkt. Eine Website, Google sowie Auftritte auf Facebook und Instagram sorgen dafür, dass der etwas versteckt gelegene Salon gefunden wird.

Vielleicht erzählt gerade diese Entscheidung am meisten über die Lotos Haar Oase. Nach Jahren im Beruf versucht Ute Hummel nicht, aus jedem freien Zeitfenster noch einen zusätzlichen Termin herauszuholen. Sie hat ihren Salon so eingerichtet, wie sie selbst arbeiten möchte: persönlich, ruhig und mit genügend Zeit für den Menschen, der gerade vor ihr sitzt.

Foto:privat

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