Manchmal zeigt sich die Haltung eines Unternehmens an einer Kleinigkeit. Bei der Mühlegger GesmbH kann das eine WC-Dichtung sein, die ein Kunde anderswo nicht mehr bekommen hat. Im angeschlossenen Verkauf wurde er fündig. Ein Jahr später baute derselbe Kunde ein Haus – und wandte sich wieder an den Betrieb. Solche Geschichten passen zu einem Unternehmen, das seit Jahrzehnten auf persönliche Beziehungen setzt und viele Kundinnen und Kunden über Generationen begleitet.
Die Geschichte des Betriebs reicht bis 1973 zurück. Angefangen hat Mühlegger nicht als klassisches Installationsunternehmen, sondern im Handel. Nach und nach kamen weitere Tätigkeiten dazu, bis sich daraus der heutige Installationsbetrieb entwickelte. In Spitzenzeiten beschäftigte das Unternehmen rund 50 Mitarbeiter. Heute sind es etwa 30.
Auch die heutigen Geschäftsführer Paul Baumgartner und Oliver Schuster kennen den Betrieb nicht nur vom Schreibtisch aus. Beide haben selbst im Unternehmen gelernt. Die Selbstständigkeit war dabei keineswegs von Anfang an detailliert geplant. Als die Vorgänger in Pension gingen, ergab sich die Möglichkeit zur Übernahme. Einer der heutigen Geschäftsführer war zuvor als Monteur tätig und wechselte erst durch eine personelle Veränderung in die technische Büroarbeit. Was anfangs nicht unbedingt der Wunschweg war, erwies sich später als wichtige Erfahrung.
Diese Vergangenheit prägt den Umgang mit der Mannschaft bis heute. Paul Baumgartner und Oliver Schuster wissen aus eigener Erfahrung, wie der Alltag auf der Baustelle aussieht. Mit einigen Monteuren, die heute noch im Unternehmen arbeiten, waren sie früher selbst unterwegs. Das schafft kurze Wege und einen direkten Umgang. Probleme werden angesprochen, Lösungen gemeinsam gesucht.
Ein Betrieb, in dem viele lange bleiben
Dass dieses Miteinander funktioniert, zeigt sich an den Betriebszugehörigkeiten. Mehr als 90 Prozent der Beschäftigten haben nach Angaben des Unternehmens selbst bei Mühlegger gelernt. Ein Mitarbeiter ging nach 46 Jahren im Betrieb in Pension. Viele andere sind ebenfalls seit langer Zeit dabei.
Die Arbeitsorganisation trägt dazu bei. Schon seit vielen Jahren arbeitet das Unternehmen mit kurzen und langen Wochen, wodurch regelmäßig ein verlängertes Wochenende möglich ist. Wenn Mitarbeiter Weiterbildungen machen möchten, unterstützt der Betrieb sie dabei. Aktuell haben Mitarbeiter etwa Meisterprüfungen absolviert beziehungsweise weitere fachliche Qualifikationen erworben.
Für die Geschäftsführung gehört dazu auch Verlässlichkeit in wirtschaftlich schwierigeren Phasen. Während der Corona-Zeit wurden keine Mitarbeiter entlassen oder in Kurzarbeit geschickt. Überhaupt habe man noch nie Personal abbauen müssen, weil zu wenig Arbeit vorhanden war. Ein sehr konkretes Ziel begleitet den Betrieb dabei Monat für Monat: Die Gehälter sollen pünktlich am Ersten auf den Konten sein.
Fachlich konzentriert sich Mühlegger vor allem auf das Privatkundengeschäft. Heizungs- und Badsanierungen spielen eine wichtige Rolle, dazu kommen Arbeiten an Einfamilienhäusern. Große Objektbaustellen stehen weniger im Fokus. Das hat einen einfachen Grund: Bei kleineren Projekten ist der Kontakt zu den Kundinnen und Kunden enger, und die Arbeit für die Monteure abwechslungsreicher.
Ein Schwerpunkt liegt auf Heizungen. Das Unternehmen beschäftigt sich intensiv mit Sanierungen und erneuerbaren Energien, darunter Biomasse. Gleichzeitig werden bestehende technische Möglichkeiten nicht pauschal ausgeschlossen. Entscheidend ist die jeweilige Situation – auch die finanziellen Rahmenbedingungen der Kundschaft spielen eine Rolle.
Gerade bei Sanierungen braucht es Erfahrung, weil kaum ein Projekt dem anderen gleicht. Bestehende Gebäude bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit, und auf der Baustelle muss oft flexibel reagiert werden. Diese Fähigkeit sieht die Geschäftsführung als wesentlichen Teil des Betriebs. Intern bringt sie die Haltung mit einem einfachen Grundsatz auf den Punkt: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.
Zwischen Handschlag und nächster Generation
Trotz technischer Veränderungen ist manches erstaunlich traditionell geblieben. Viele Aufträge und Kundenkontakte entstehen über persönliche Empfehlungen. Mühlegger engagiert sich zudem bei Vereinen in der Umgebung – bewusst dort, wo ein tatsächlicher Bezug besteht, etwa über Kunden, Mitarbeiter oder persönliche Verbindungen.
Auch der Verkauf am Standort spielt weiterhin eine Rolle. Menschen kommen mit kleinen technischen Fragen vorbei, suchen ein Ersatzteil oder möchten wissen, wie sich ein Problem lösen lässt. Nicht jeder dieser Kontakte führt unmittelbar zu einem großen Auftrag. Genau das ist auch nicht der Gedanke dahinter. Wer wegen einer Verschraubung oder Dichtung hereinkommt, soll ebenso ernst genommen werden wie jemand mit einer umfassenden Sanierung.
Diese Haltung hat über die Jahre Beziehungen entstehen lassen, die teilweise über zwei oder drei Generationen reichen. Statt bei Unstimmigkeiten schnell auf formale Auseinandersetzungen zu setzen, versucht das Unternehmen nach eigener Aussage, Lösungen direkt mit den Beteiligten zu finden.
Die kommenden Jahre bringen dennoch Veränderungen. Bürokratie, Energie- und Materialkosten sowie schwankende Förderbedingungen beschäftigen die Branche und verlangen dem Betrieb Flexibilität ab. Auch intern verändert die Digitalisierung Abläufe. Tablets und neue Anforderungen in der Verwaltung gehören inzwischen ebenso zum Arbeitsalltag wie Werkzeug und Baustelle.
Für Paul Baumgartner und Oliver Schuster richtet sich der Blick deshalb weit nach vorne. In den nächsten Jahrzehnten soll der Betrieb so aufgestellt werden, dass eine weitere Übergabe möglich wird. Eine neue Generation soll übernehmen können, wenn die Voraussetzungen dafür passen.
Bis dahin bleibt vieles bewusst bodenständig: Mitarbeiter ausbilden, Wissen weitergeben, technische Entwicklungen mitgehen und für die Menschen in der Region ansprechbar bleiben. Die kleine Geschichte von der WC-Dichtung passt deshalb erstaunlich gut zu einem Installationsbetrieb, dessen Kundenbeziehungen oft mit alltäglichen Dingen beginnen – und manchmal viele Jahre weitergehen.
Foto:privat







