Pure Manipulation im Netz? – 1.2019

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Soziale Netzwerke sind geliebt, gehasst und gefürchtet. Facebook wurde jüngst als „gefährlichste Waffe gegen die Demokratie“ vom franz. Medienwissenschaftler Frédéric Filloux bezeichnet. Facebook & Co ist es egal, ob die Nutzer Katzenvideos oder rechte Hetze anklicken. Wichtig ist nur, dass die User so oft und so lange wie möglich die Plattform nutzen, um dabei die große Kohle für die Werbeeinnahmen zu kassieren. Die Nutzer verbringen umso mehr Zeit in Netzwerken, wenn ihnen ihrem Weltbild entsprechende Inhalte geliefert werden. Das machen aber nicht nur soziale Netzwerke so. Wenn Sie sich für Audi interessieren und Sie lesen die Autofachzeitschrift. Was lesen Sie dann als erstes? Den Testbericht über Audi natürlich. Wir lesen und schauen am liebsten Inhalte, die unserem Weltbild entsprechen. Diesen wiederholenden Bestätigungseffekt nutzen auch facebook und Co. So entsteht Kundenbindung.
Im Netz kommen dann die Algorithmen hinzu. Die meisten kennen sicher die Kauf-Empfehlungen großer Shopping-Netzwerke. „Kunden, die dies kauften, kauften auch das“. Der Algorithmus von facebook und Co – verkürzt betrachtet – funktioniert genauso. Die vorgesetzten Inhalte werden nach dem eigenen Nutzungsverhalten und dem ähnlicher Nutzer ausgewählt. Dies nennt die Wissenschaft dann „Filterblase“. Nur diese Filterblase haben wir schon immer. Im Fernsehen und in den großen Zeitungen zum Beispiel. Nur dort wird sie von den Medienkonzernen und von der Politik vorgegeben. Frage ich mich nur, was ist demokratischer?
Man kann meiner Meinung nach die Algorithmen ganz gut überlisten. Man sollte nur bewusst mit den Online-Medien agieren. Wie das gehen kann und noch mehr Infos zum Thema lesen Sie auf www.news-online.at

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Ab hier lesen nur unsere Online-Leser 😉
Viel Spaß mit dem erweiterten Editorial von Harald Matousek:

Geistiger Inzest
Wie schon beschrieben sind Filterblasen mit Sicherheit kein Alleinstellungsmerkmal der sozialen Netzwerke. Dennoch sind sie ein Problem. Ihre Insassen werden von den gegnerischen Argumenten abgeschottet und führen so zu einer Art geistigen Inzest.
Dies ist zum Beispiel bei den radikalen FPÖ-Anhängern oder in Deutschland bei den AfD-Fans zu beobachten. Die Nutzer halten sich fast nur noch in „ihren“ Gruppen auf, kriegen dort gezielt ihre Links und Infos aus dem rechten Netz zugespielt, dadurch werden diese Gruppen oft noch mehr radikalisiert und sind dann für Argumente von „draußen“ nicht mehr erreichbar. Dies trifft auf der anderen Seite für die linken Gruppierungen genauso zu. Wenn Nutzer immer den gleichen Inhalt vorgesetzt kriegen haben sie natürlich ein ähnliches Weltbild und bestätigen sich gegenseitig. Man kommt an diese Menschen, die in ihren Netzwerken „gefangen“ sind, einfach nicht mehr heran. Die Analyse des Problems scheint klar zu sein. Aber eine einfache Lösung scheint trotzdem nicht in Sicht.

Aufklärung wichtig!
Für mich zielführend und vielversprechend wäre, die Menschen aufzuklären. Wir könnten den Nutzern die entsprechenden Werkzeuge in die Hand geben, die ihnen helfen, Medien und die sozialen Netzwerke mit ihren Algorithmen besser zu verstehen. Es wird viel zu wenig gegen die fehlende Medienkompetenz unternommen. Die Menschen könnten besser mit Meldungen und Meinungen umgehen, wenn sie verstehen würden, dass die Filterblase kein Abbild des gesamten Meinungsspektrums ist und auch zahlreiche Meldungen gar nicht bis zum Nutzer vordringen. So könnten sie die sozialen Netzwerke besser einschätzen und kritischer mit ihnen umgehen. Aber will das die Politik überhaupt? Das wir kritisch mit den Netzwerken umgehen können? Die Filterproblematik der analogen und etablierten Medien (ORF, KRONE, PRESSE, STANDARD, etc.) ist ja durchaus mit der Problematik der sozialen Netzwerke vergleichbar. Somit würden dann die mündigen und kritischen Nutzer ihre neue Sichtweise der sozialen Netzwerke auch auf die analogen und bekannten Medien übertragen. Das würde vielen nicht gefallen bin ich der Meinung.
Da entstehen für mich auch abschließend ein paar neue Fragen. Genießen eigentlich nur die bekannten Medien den Schutz der Pressefreiheit oder gilt er auch für facebook & Co?
Haben Algorithmen auch ein Recht auf Pressefreiheit?
Wäre ein Eingriff in die Algorithmen auch ein Eingriff in die Pressefreiheit?
Meine Meinung dazu ist, auch wenn man alle oben gestellten Fragen mit einem „ja“ beantworten würde, dann wäre doch ein erzwungener Eingriff in die Algorithmen der sozialen Netzwerke auch ein Eingriff in die Pressefreiheit. Oder wie sehen Sie das?

Noch einen guten Tipp aus eigener langjähriger Erfahrung zur Nutzung von sozialen Netzwerken kann ich Ihnen gerne mitgeben, damit Sie nicht im „Echoraum“ von facebook & Co manipuliert werden und gefangen sind. Liken, teilen und kommentieren Sie bewusst auch die Themen, die Sie sonst nicht beachten würden. Glauben Sie mir, der Algorithmus lernt sehr schnell und Sie werden staunen, wie rasch Sie zu neuen Argumenten und Infos kommen. Wie im analogen Leben sollten Sie einfach immer eine andere Meinung einholen und vor allem alles was zu radikal und reißerisch aussieht, generell hinterfragen und nach den Quellen googeln.

Abschließend möchte ich auch festhalten, das facebook & Co inklusive deren Algorithmen grenzgeniale Erfindungen für unsere Gesellschaft waren und sind. Man muss sie nur richtig und aufmerksam nutzen. Dann machen die neuen Medien auch Sinn und Spaß!

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Weiterlesen auf www.news-online.at.

Ihr Harald Matousek
Chefredakteur & Herausgeber


Ihre Meinung direkt an: matousek@news-online.at

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