Als Lisbeth Fischer und ihr Mann 2002 den Familienbetrieb übernahmen, ging alles überraschend schnell. Nach dem Studium in Wien und einem Jahr in London waren die beiden nach Marchtrenk zurückgekehrt. Durch die Pensionierung von Gerald Fischer ergab sich innerhalb von nur drei Monaten die Übergabe. Aus dem damaligen Wirtshaus mit Zimmern und sechs Mitarbeitern wurde über die Jahre der heutige Hotel Gasthof Fischer – mit 54 Zimmern, rund 30 Beschäftigten und einem Betrieb, der sich in vielen Bereichen grundlegend verändert hat.
Die Übergabe innerhalb der Familie erwies sich dabei als wichtige Grundlage. Jörg’s Vater vertraute der nächsten Generation den Betrieb an und gab ihr den nötigen Spielraum, eigene Vorstellungen umzusetzen. Und davon machten die neuen Gastgeber Gebrauch. Küche und Zimmer wurden renoviert, das Restaurant umgebaut und der Hotelbereich erweitert.
Vieles entstand Schritt für Schritt. Als Jörg Fischer startete, gab es im Betrieb noch nicht einmal einen Computer. Heute gehören Digitalisierung, Online-Vermarktung und automatisierte Abläufe zum Hotelalltag. Auch räumlich erinnert nur noch wenig an den Betrieb, den das Paar vor fast 25 Jahren übernommen hat.
Geblieben ist dagegen der Charakter als Familienbetrieb. Und die Überzeugung, dass sich ein Haus wie dieses nicht allein über schöne Zimmer oder gutes Essen definiert.
Ein junges Team trifft auf jahrzehntelange Erfahrung
Für die beiden Gastgeber sind es vor allem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den Hotel Gasthof Fischer nach außen repräsentieren. Manche von ihnen sind bereits seit mehr als 20 Jahren im Unternehmen. Auf der anderen Seite steht derzeit ein ausgesprochen junges Team: Acht Lehrlinge werden im Betrieb ausgebildet, hinzu kommen junge Fachkräfte, die ihre Ausbildung dort bereits abgeschlossen haben und geblieben sind.
Diese Mischung funktioniert nach ihrer Erfahrung gut. Gerade Lehrlinge würden davon profitieren, nicht als einzelne Nachwuchskraft in einem Team zu stehen, sondern mehrere Gleichaltrige um sich zu haben. Verantwortung erhalten sie früh. Statt lange nur zuzusehen, werden sie schrittweise an ihre Aufgaben herangeführt, dürfen selbst arbeiten und dabei auch Fehler machen.
Eine wichtige Rolle spielen dabei die Abteilungsleiter. Sie tragen einen wesentlichen Teil der Ausbildung und investieren dafür bewusst Zeit und Energie. Dahinter steht eine langfristige Haltung: Wer in der Gastronomie und Hotellerie Fachkräfte braucht, muss auch bereit sein, sie selbst auszubilden.
Dass dieser Ansatz bei den jungen Beschäftigten ankommt, zeigte zuletzt eine Lehrlingsumfrage, an der der Betrieb über die Österreichische Hotelvereinigung teilnahm. Dabei wurde das Unternehmen innerhalb der Hotelleriebranche als einer der hervorgehobenen Ausbildungsbetriebe genannt. Für die Hoteliers ist diese Rückmeldung vor allem deshalb wichtig, weil Mitarbeiterbindung für sie weit über die reine Personalplanung hinausgeht.
Langfristiges Denken bezeichnet sie überhaupt als einen zentralen Wert des Hauses. Das betrifft Investitionen in Gebäude und Ausstattung ebenso wie das Arbeitsumfeld. Ziel ist eine Atmosphäre, in der Menschen gerne arbeiten und möglichst lange im Unternehmen bleiben.
Veränderung, ohne jedem Trend hinterherzulaufen
Auch bei den Gästen hat sich der Betrieb weiterentwickelt. Im Restaurant treffen Geschäftsleute beim Mittagessen auf Gäste aus der Umgebung, Hotelgäste, Firmenrunden, Paare und Freundesgruppen. Die Küche ist gehoben, die Atmosphäre soll trotzdem unkompliziert bleiben. Ein Wirtshaus darf für Fischer lebendig sein.
Im Hotel verteilt sich die Nachfrage anders. Unter der Woche prägen vor allem Businessgäste den Betrieb. An den Wochenenden haben sich Stopover- und Freizeitgäste stark entwickelt. Menschen auf der Durchreise durch Europa legen in Marchtrenk einen Zwischenstopp ein, andere kommen wegen Veranstaltungen, Seminaren oder Messen. Das Restaurant ist von Montag bis Freitag mittags und abends geöffnet, der Hotelbetrieb läuft sieben Tage die Woche.
Gerade diese Wochenenden waren auch Anlass für eine der jüngsten technischen Veränderungen. Weil die Rezeption dann nicht durchgehend besetzt ist, wurde der Check-in weitgehend digitalisiert. Gäste können online einchecken und ihre Zimmer-Keycard direkt in die Wallet ihres Smartphones laden. Eine zusätzliche App ist dafür nicht notwendig. Der Weg dorthin sei technisch aufwendig gewesen, inzwischen funktioniert das System im laufenden Betrieb.
Die Digitalisierung steht damit sinnbildlich für eine Haltung, die das Unternehmen seit der Übernahme begleitet: Neues ausprobieren, wenn es für Gäste oder Betrieb einen tatsächlichen Nutzen bringt – aber nicht jeden Trend mitmachen.
Dass Weiterentwicklung heute anspruchsvoll bleibt, verschweigt Fischer nicht. Zwar erzielt der Betrieb nach ihren Angaben jährlich Umsatzsteigerungen von mehr als zehn Prozent, doch auch Energie, Finanzierung, Waren und andere Kosten entwickeln sich weiter. Die Herausforderung besteht darin, dieses Verhältnis im Gleichgewicht zu halten, ohne bei Qualität oder Mitarbeitern Abstriche zu machen.
Große Umbauprojekte stehen deshalb aktuell nicht auf der Agenda. Nach zahlreichen Investitionen der vergangenen Jahre geht es zunächst darum, das Geschaffene weiterzuentwickeln und im Alltag zu verankern. Ein Projekt läuft dennoch bereits: Die Website wird neu gestaltet.
So ist aus dem Wirtshaus mit sechs Mitarbeitern kein völlig anderer Betrieb geworden, sondern einer, der sich über fast ein Vierteljahrhundert immer wieder neu aufgestellt hat. Zwischen langjährigen Mitarbeitern und acht Lehrlingen, Wirtshausatmosphäre und digitalem Zimmerschlüssel bleibt dabei ein Prinzip konstant: Veränderung gehört beim Fischer längst zum Alltag.
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